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Stadtverkehr-Challenge: Fahrrad vs. Auto vs. ÖPNV

7. Dezember 2015

Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Für ausgedehnte Reisen, Wanderungen und Spaziergänge mag das zutreffen, für den Weg zur Arbeit eher nicht. Und auch wenn wir heute ständig mobil sind und sein wollen, verbringen wir unsere Zeit natürlich lieber zu Hause als im hektischen Stadtverkehr. Doch welches Verkehrsmittel ist in der Stadt das schnellste? Wer gewinnt das urbane Rennen zwischen Fahrrad, Auto und öffentlichen Nahverkehr?

Die nackten Fakten

In Berlin liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit mit dem Auto bei rund 25 km/h. Damit landet Berlin im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz. Nur London ist mit 19 km/h noch langsamer. Und auch wenn neueste Untersuchungen der TU Dresden nur von 23,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit sprechen, scheint das Auto im Vergleich zum Fahrrad mit 11,5 und zum ÖPNV mit 15,7 Kilometer in der Stunde der sichere Sieger zu sein. In kleineren Städten wie Frankfurt am Main (30,7 km/h) und Düsseldorf (31,2 km/h) ist man mit dem Auto sogar noch schneller unterwegs.

So schnell seid ihr wirklich

Aber nicht zu früh freuen, liebe Autofahrer. In den Berliner Stoßzeiten sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit rapide. Auf der Leipziger Straße in Berlin Mitte – einer der am stärksten frequentierten Straßen der Hauptstadt – kommen die Autos mit 10 bis maximal 20 km/h voran. Da können gute Fahrradfahrer und ÖPNV-Freunde locker mithalten und sind naturgemäß deutlich stressfreier unterwegs. Parkplatzsuche noch nicht einberechnet.

Die mittleren Entfernungen sind nach der TU Dresden übrigens 3,4 km mit dem Rad, 8,8 km mit dem Auto und 10,3 km mit Bus und Bahn. Offensichtlich nutzen wir den ÖPNV für die weiten Strecken, Autos für lange Mitteldistanzen und das Rad für die kürzeren Entfernungen. Je nach Verkehrsaufkommen wird eine Mischung der Verkehrsmittel ziemlich attraktiv: mit der Bahn oder Auto bis an das Zentrum heran und weiter in die Innenstadt mit dem Faltrad oder Bikesharing. Der Mix macht’s – aber welche die beste Mischung ist, hängt von eurem ganz persönlichen Weg durch die Stadt ab!

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Das Konzept der effektiven Geschwindigkeit

Doch Geschwindigkeit ist nicht nur eine reine physikalische Größe. Schon 1854 verblüffte der Philosoph Henry David Thoreau mit einem einfachen Gedanken, er komme zu Fuß schneller um die Welt als sein Freund mit dem Zug. Schließlich müsse der für die Fahrkarte jahrelang arbeiten, was Thoreau in die Reisezeit mit einberechnete.

Paul Tranter, Professor für Human Geography im australischen Canberra, verfeinerte diesen Gedanken über 150 Jahre später im Konzept der effektiven Geschwindigkeit. Darin fließt alles mit ein, was ich für meine Mobilität an Zeit aufbringen muss. Auch die Arbeitszeit, die ich benötige, um genug Geld für ein Auto zu verdienen bis hin zu den Steuern, die wir für den Straßenbau ausgeben. Tranter rechnete, dass wir je nach Kosten für das Auto ein bis zwei Stunden am Tag mehr arbeiten müssen. Ganz schön viel Aufwand dafür, dass man 10 Minuten früher zu Hause sein möchte, als mit dem Rad.

Offenbar verliert man manchmal ziemlich viel Zeit, wenn man Zeit gewinnen will. Geschwindigkeit ist eben nicht nur das, was auf dem Tacho steht.

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