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Urban Exploration: Die magische Anziehungskraft von Lost Places

17. Oktober 2016

Menschen mit unbändiger Neugier und Geschichtsbewusstsein haben schon immer gerne verlassene Orte – Lost Places – aufgesucht. Der Großstädter gibt dem Phänomen seit Kurzem einen Namen: Urban Exploration. Was es damit auf sich hat und wer die Bezeichnung Urban Explorer für sich beanspruchen kann, erklären wir euch hier.

Wer sich Urban Explorer nennen darf

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Bin ich ein bereits ein Urban Explorer, wenn ich durch eine fremde Stadt flaniere? Nein, denn hinter Urban Exploration (kurz Urbex) verbirgt sich mehr als eine gewöhnliche Stadterkundung. Urbexer verstehen sich als eine Gemeinschaft, die auf eigene Faust Orte aufspürt, die in keinem Reiseführer vermerkt sind. Sie erkunden alte Industrieruinen, Gewerbeflächen und Wohnhäuser, aber auch die Kanalisation, Bunkeranlagen und Dächer – im Prinzip alles, was außer Betrieb, ungenutzt oder verlassen ist.

Neugierde und Forschertrieb als Antriebsfedern

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Urbexer sehen in den verlassenen Orten, die sie aufsuchen, einen willkommenen Kontrast zum modernen Stadtbild mit seinen klinisch wirkenden Hochhäusern aus Glas und Stahl, Betonklötzen und Shopping-Malls. Doch was treibt Menschen dazu, alte, teilweise baufällige Gebäude zu betreten? Die Motivation liegt in der Romantik der Kulissen. An verlassenen Orten kann wie in einer Zeitkapsel Geschichte erlebt werden. Hinzu kommt die Königsdisziplin, unentdeckt auf ein eingegrenztes Grundstück zu gelangen. Viele Urbexer lieben diesen Thrill.

Eine Umgebung aus originalen Artefakten, Graffiti-Kunst und Vegetation schafft für die Urban Exploration eine ganz eigene, authentische Atmosphäre, die einen kurzen Bruch mit dem Alltag ermöglicht. So unternehmen Urbexer wieder und wieder Kurztrips in die Vergangenheit.

Lost Places dienen als Foto-Trophäen

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Verbotene Orte bieten häufig hervorragende Motive für Fotoshootings. Hochwertige Bilder sind die wertvollen Trophäen eines Urban Explorers – und die Kamera das Must-Have im Equipment. Aber nicht nur die Ästhetik spielt eine Rolle, sondern auch die Dokumentation der Besuche. Die Hobbyentdecker lassen den Ort im Originalzustand, denn ernsthafte Urbexer verfolgen den Kodex: Nimm nichts mit und hinterlasse nicht mehr als deine Fußspuren! Mit Vandalismus und Diebstahl wollen sie nichts zu tun haben.

Urban Explorer haben allein schon zum Schutz ihrer einzigartigen Fotomotive das Interesse, die weißen Geschichtsflecken in der Stadt weiterhin im Verborgenen zu belassen. Außenstehenden geben sie die Koordinaten ihrer Entdeckungen nicht weiter.

Urban Exploring im Safe-Mode

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Abhörstation Teufelsberg von abbilder, CC BY 2.0

Wenn es euch in den Fingern kribbelt, solche Orte zu entdecken, müsst ihr nicht zwingend über fremde Zäune klettern. Inzwischen können Touren gebucht werden. Hier hat sich Berlin zum deutschen Mekka für Urban Explorer gemausert. Nirgendwo sonst in Deutschland sind mehr Lost Places dokumentiert. In und um die Hauptstadt gibt es mit der alten Abhörstation auf dem Teufelsberg, den Heilstätten Beelitz oder dem Olympischen Dorf von 1936 authentische Orte mit Patina-Überzug, die ihr legal besuchen könnt.

Urban Exploration kann euch zu einer neuen Perspektive auf die Stadt inspirieren. Warum entdeckt ihr eure Umgebung nicht einmal mit einem Blick in die Geschichte? Dann heißt es: Nichts wie raus in die Vergangenheit!

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