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Warum ihr in Zukunft öfter auf der Grünen Welle surft

12. Oktober 2016

Der Traum aller Autofahrer: Alle Ampeln schalten auf Go und ihr cruist seelenruhig nach Hause. Doch das wäre zu schön, um wahr zu sein. Die Ampelsteuerung ist ein kompliziertes System, das in der Theorie besser als in der Praxis funktioniert. Doch wer das System versteht, hat weniger Stress und kommt unter Umständen früher an.

Des einen Grün ist des anderen Rot

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Immer dann, wenn sich Verkehrsteilnehmer wegen langer Rot-Phasen benachteiligt fühlen, wird als Wundermittel die Schaltung einer Grünen Welle in Spiel gebracht. Doch die Koordinierung eines Stadtverkehrs mit Radfahrern, Bussen, Trams und Fußgängern gestaltet sich zu komplex, als dass die Ampeln immergrün leuchten können. Vielleicht hilft eine weniger emotionale Herangehensweise: Die Grüne Welle hat die Aufgabe, durch Ampelschaltungen den Verkehrsfluss zu organisieren. Bei diesem Verfahren gibt es immer Begünstigte und Leidtragende.

Die perfekte Grüne Welle gibt es nicht

Für eine perfekte Grüne Welle in beide Richtungen müssen ideale Bedingungen in der Infrastruktur vorliegen. Seht ihr das Schild „Grüne Welle bei 50 km/h“ und haltet die Geschwindigkeit ein, muss das nicht heißen, dass euch eine freie Fahrt garantiert ist. Die Rechnung geht nur dann auf, wenn die Ampelanlagen in einem Abstand von etwa 400 m liegen. Für amerikanische Städte vom Reißbrett mag das theoretisch funktionieren, in den historisch gewachsenen Innenstädten Europas ist das fast ausgeschlossen.

Zudem liegt einer Grünen Welle immer eine konstante Geschwindigkeit zugrunde. Im dichten Stadtverkehr lässt sich da schwer mit dem Strom schwimmen. An großen Kreuzungen ist aufgrund der geänderten Verkehrslage – Busse und Straßenbahnen haben Vorrang – sowieso das Ende der Grünen Welle erreicht.

Mit Rasen kommt man nicht zum Ziel

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Die Wahrscheinlichkeit eine Grüne Welle zu erwischen, steigt, wenn ihr euch an den Rhythmus des Berufsverkehrs haltet. In den großen Städten werden die Ampeln zugunsten der Berufspendler getaktet. Mehr Grün gibt es morgens in Richtung City und ab dem Nachmittag stadtauswärts.

Besser voran kommt ihr auch mit Ruhe und Geduld. Der Versuch, grüne Ampeln mit einem Bleifuß zu passieren, ergibt aufgrund der benötigten konstanten Geschwindigkeit keinen Sinn. Darauf weisen gelegentlich Schilder wie „Grüne Welle bei 60 km/h“ oder digitale Anzeigen hin. Das Anti-Raser-System wird von den immer intelligenter werdenden Ampelanlagen unterstützt. Einige von ihnen klassifizieren durch Sensoren das Umfeld und schalten je nach Verkehrslage auf Grün. Begünstigt wird die Fahrzeuggruppe – der so genannte Pulk.

Die Zukunft zeigt auf Grün

Schon bald können Verkehrsteilnehmer durch eine bessere Vernetzung der Ampeln untereinander und der Kommunikation zwischen Auto und Ampelanlage auf mehr Grüne Wellen hoffen. Erste Tests von Systemen des EU-Projekts Compass4D haben in den Teststädten gute Ergebnisse erzielt. Die über W-LAN vernetzten Systeme zeigen die zu haltende Geschwindigkeit für eine Grüne Welle im Cockpit an. Bereits bei wenigen vernetzten Fahrzeugen bildet sich ein Konvoi, der über die grünen Ampeln surft.

Die neuen Technologien zeigen, dass rote Ampeln nichts mit höherer Gewalt zu tun haben. Sie werden von der Verkehrszentrale gesteuert. Was noch wichtiger ist: Sie unterliegen auch unserem Fahrverhalten.

 

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