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Wie bitte? So laut ist Berlins Rush Hour

5. Oktober 2016

Was haben Hannover, Frankfurt am Main, Nürnberg und Bonn gemeinsam? Sie sind laut einer Studie des Fraunhofer Instituts die vier lautesten Städte Deutschlands. Die Hauptstadt Berlin folgt zwar erst auf Platz sechs, aber das nützt den Anwohnern an den großen Straßen herzlich wenig. Straßenlärm ist und bleibt ein echtes Problem in Großstädten. Aber wie laut ist es bei uns wirklich? Und was bedeutet das eigentlich für unseren Körper?

So wird Lärm gemessen

Welche Geräusche wir als Lärm empfinden, ist sehr subjektiv. Lautstärke, Dauer und Tonlage bewerten wir mehr oder weniger unterschiedlich. Die entscheidende physikalische Größe ist der Schalldruck, gemessen in Dezibel (dB). Ein normales Gespräch ist etwa 40 und 60 dB laut, eine sehr laute Straße verursacht 80 bis 90 dB und ein etwa 100 Meter entferntes Flugzeug 110 und 140 dB. Dann wird es unangenehm: Werte ab 130 dB empfinden fast alle Menschen als schmerzhaft laut.

Etwas leiser bitte! Die Lautstärke auf Berlins Straßen

Der sechste Platz im deutschen Lärmranking hat auch mit der großen Fläche der Stadt zu tun. Das senkt den Durchschnitt. Die Hauptverkehrsstraßen sind dennoch ziemlich laut. Hauptstraßen wie die Potsdamer Straße oder die Frankfurter Allee bringen es am Tag auf über 80 dB. Das ständige Anfahren im Berufsverkehr verursacht mehr Lärm als gleichmäßig und im höheren Gang dahinrollende Autos.

Selbst in der Nacht herrschen dort noch Werte von über 65 dB. Dabei sind nach der Verkehrslärmschutzverordnung – schon das Wort klingt irgendwie laut – 65 dB tagsüber und 55 dB in der Nacht das Minimalziel.

Das Herz hört mit – Gesundheitliche Auswirkungen von Lärm

Schwerhörigkeit und Tinnitus sind offensichtliche Effekte von Straßenlärm, doch sie sind nur die Spitze des Eisberges. Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen vor allem bei Kindern und vermehrte Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Stress gehen ebenfalls auf Lärmbelästigung zurück. Durch höhere Mieten für leisere Wohngegenden entsteht noch dazu eine soziale Schieflage, deren externe Effekte wiederum das Gesundheitssystem belasten. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Europa jedes Jahr etwa 1 Million gesunde Lebensjahre durch die Schäden von Umweltlärm verliert. Das ist noch eine sehr konservative Schätzung. Wahrscheinlich handelt es sich um deutlich mehr.

Viele Gründe also, die eigene Lärmproduktion zu senken. Besonders in der Rush Hour ist man sowieso ziemlich langsam unterwegs. Also umfahrt den Stau lieber mit Bus oder Fahrrad und nutzt verschiedene, möglichst leise Verkehrsmittel. Damit tut ihr euren Ohren und den Ohren eurer Mitmenschen etwas wirklich Gutes.

 

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