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Street Art: Entdeckt Kölns bunte Wände

5. August 2016

Sind die Wände einer Stadt weiß, so hat das Volk nichts zu melden“ – besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Und tatsächlich: In vielen Metropolen äußern sich Künstler kreativ auf öffentlichen Flächen. Eine unbeschriebene Stadt? Kaum denkbar. Köln ist europaweit bekannt für seine Street-Art-Szene. In den vergangenen Jahren mauserte sich die urbane Kunst von der Underground-Kultur hin zur anerkannten städtischen Kunstbewegung. Mittlerweile gibt es in Köln sogar ganze Festivals und zudem Galerien sowie Ausstellungen, die sich dem Thema widmen. Immer schwingt ein bisschen Provokation mit, aber auch der Vibe der Stadt und die Aufbruchsstimmung der jungen Kunstbewegung. Diesen Künstler und Hot Spots solltet ihr einen Besuch abstatten.

Captain Borderline

#nsa #datagate #colonia #streetart

Ein von @brave78 gepostetes Foto am

2015 gestaltete der Kunstverein colorrevolution e.V. die Wand am Ehrenfelder Bahndamm neu. Hier bestaunt ihr das große Mural „Surveillance of the Fittest“ der Künstlergruppe Captain Borderline, das sich mit der NSA-Spionage-Affäre kritisch auseinandersetzt. Außerdem findet ihr orientalische Figuren und Muster von den lokalen Künstlern Huami und Layla Xing, daneben prangt die überdimensionale Taube vom baskischen Künstler Xabier XTRM.

Captain Borderline und weitere | Ehrenfelder Bahndamm | 50823 Köln

El Bocho

Der Kölner Bezirk Ehrenfeld ist ein wahres Mekka für Street-Art-Begeisterte. Am Gerhard-Wilczek-Platz findet ihr unter anderem die Spuren des bekannten Berliner Straßenkünstlers El Bocho. Seine Arbeit steht für eine einzigartige Linienführung und farbenfrohe Motive. Häufig thematisiert er Fragen zu Stadtleben und Kommunikation – meist stellt er melancholische Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Nicht nur am Gerhard-Wilczek-Platz, sondern auch in der Heliosstraße findet ihr seine Werke. Nicht verpassen am Gerhard-Wilczek-Platz: Die bunte Wand vom spanischen Artist PEZ.

El Bocho und weitere | Gerhard-Wilczek-Platz | 50823 Köln

Pau Quintanajornet

#graffitigermany #colognegraffiti #nice #art #theartofpau

Ein von Juli.. (@queenofkreuzberg) gepostetes Foto am

Wenn ihr einmal in der Heliosstraße seid, kommt ihr nicht um das Werk von Pau Quintanajornet herum. Die chilenisch-stämmige Künstlerin hat in Köln ihre zweite Heimat gefunden und kehrt immer wieder hierher zurück. Pau nimmt sich oft starke Frauen als Motiv, die in ihren Arbeiten wie Pflanzen dem Himmel entgegenwachsen.

Pau Quintanajornet | Heliosstraße | 50825 Köln

Herakut

In Ehrenfeld werdet ihr außerdem am Bürgerzentrum fündig. Hier prangt das große Mural „Ohne dich würde ich mich nicht trauen“ vom Künstlerduo Herakut. Jasmin Siddiqui und Falk Lehmann stellen eins der erfolgreichsten Street-Art-Kollektive weltweit dar. Oft verarbeiten sie schwere Themen zu imposanten, riesigen Bildern – und das natürlich abseits der Galerien dieser Welt. Zum Beispiel zieren ihre Werke auch ein Flüchtlingslager in Jordanien, denn für die beiden macht Kunst nur dort einen Sinn, wo sie mehr als pure Dekoration ist. Herakut regt zum Nachdenken an, also anschauen!

Herakut und weitere | Venloer Straße | 50825 Köln

Bananensprayer

#Art #Banane #kunstdrin #thisiscologne #baumgärtel #bananensprayer

Ein von Tomat3 (@tom.at3) gepostetes Foto am

Auf den ersten Blick weniger auffällig, aber eine feste Institution in der Szene ist Thomas Baumgärtel a.k.a der Bananensprayer, dessen Markenzeichen an die Velvet-Underground-Banane von Andy Warhol erinnert. Der Kölner sprühte seine erste Banane schon 1986. Vornehmlich markiert er damit Kunstorte wie Eingänge von Galerien oder Kunstmuseen. Die Spraybanane findet ihr nicht nur in Köln, sondern weltweit.

Bananensprayer | LESKANPark (und weitere) | 50858 Köln

Kurznachzehn

Die Arbeiten von kurznachzehn stehen für Retro-Charme. Denn die Düsseldorfer Street-Art-Künstlerin bringt poetische, schwarz-weiß-graue Kinderfiguren an die Wand. Diese Abbilder wirken nicht nur wie aus einem alten Familienalbum entnommen, sie sind es auch. Die Paste-Up-Figuren von kurznachzehn entstammen nämlich den Kinderfotos ihrer Mutter aus den 1950er und 1960er Jahren, die die Künstlerin im krassen Kontrast unserer Gegenwart darstellt. Die persönlichen Werke findet ihr sowohl in Köln, als auch in anderen Städten.

kurznachzehn | Maastrichter Straße | 50672 Köln

 

Die Street-Art-Bewegung zeigt: Um zeitgenössische Kunst zu bestaunen, müssen wir gar nicht unbedingt in Galerien gehen, sondern einfach mit offenen Augen auf die Straße. Viel Spaß beim Entdecken, Bestaunen und bestimmt auch beim Nachdenken auf eurer Street-Art-Tour durch Köln!

 

Beitragsbild: El Bocho von Tim Bartel, CC BY 2.0

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